6. Durch den Götakanal zum Mälaren

Montag, 9. August



Um 3:30 Uhr trifft Monika ein. Die Hilde ist schon reisefertig. Leinen los. Mit Motor + Fock fahren wir auf dem Götaalv, grösstenteils durch Industriegebiet, die erste Etappe des Trollhätte Kanal hinauf.



Um 7 Uhr erreichen wir unser Ziel, Kungälv. Wahrzeichen und Hauptattraktion ist Bohus, eine Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Auf einer kleinen Insel mitten im Fluss gelegen soll die Burg immer wieder belagert worden sein, aber nie eingenommen.



Auf einem kleinen Kanal fahren wir vorsichtig zum Hafen. Es ist tief genug. Aber die Strömung macht uns beim Anlegen Probleme. Immer wieder treibt es uns auf den letzten Metern quer an die Pfähle. Nach dem 5. Versuch gibt Alfred auf....Auf der andern Seite des Stegs, gegen den Strom klappt es dann.



Adrenalin macht hungrig. Es gibt feinen Fisch (Rotzunge) mit Romsäs und Gschwellti.





Dienstag, 10. August



Erst eine kleine Joggingrunde um die Burg, dann gibt’sFrühstück.

Um 9:10 Uhr legen wir ab. Wir segeln mit achterlichem Wind und kommmen gut voran. Gegen den Strom machen wir 5 kn.



Die erste Schleuse bei Lilla Edet ist zwar noch etwas aufregend. Aber dann wissen wir wie’s geht. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig zur letzten Schleusung bei Trollhättan. 4 Schleusen nacheinander. Um 8 Uhr machen wir an der oberen Schleuse in Ackersjö fest.



Noch ein paar technische Daten zum Trollhätte-Kanal: 82 km lang, 6 Schleusen, 44m Höhenunterschied. Im Gegensatz zum Götakanal wird der Kanal nicht nur für die Sportschiffahrt genutzt, sondern vorallem von Frachtschiffen.





Mittwoch, 11. August



Regen tropft auf die Persenning. Wir drehen uns noch mal im Schlafsack um. Die heutige Etappe können wir gemächlich angehen, 11 sm, 1 Schleuse und 4 Brücken.



Im Gästehafen von Vänersborg machen wir einen „Boxenstop“: Benzin, ICA Supermarkt, Mittagessen. Noch ein paar Meilen, dann sind wir in Grönvik. Ein kleiner Gästehafen im Grünen ganz für uns allein. Die Sonne kommt durch die Wolken. Joggen, Heidelbeeren sammeln, ein kühles Bad ....bbrrhh! WC und Dusche gibt’s auf dem nahen Campingplatz. Nachtessen: Lauchrisotto mit Chorizzo.





Donnerstag, 12. August



Nach einer warmen Dusche geniessen wir ein Frühstück Deluxe mit feinen Kanelbullar (Zimtschnecken), Joghurt mit Heidelbeeren...mmmmmhhhh FEIN!

9:00 Uhr Leinen los. Die Sonne scheint: Eine leichte Brise weht, leider aus der falschen Richtung. Wir motoren über den Vänernsee - grösster See Schwedens und drittgrösster Europas- und durch den Ekens Skärgard zu unserm Ziel Läckö. Der Gästehafen liegt idyllisch direkt unterm dem imposanten Schloss. Jogging, Schlossbesichtigung und dann ein Bad!!





Freitag, 13. August



Ostwind. In der Nacht noch ziemlich kräftig, heute Morgen hat er nachgelassen. Rauhe See, kurze Wellen. Wir dümpeln mit Motor gegenan und machen gerade mal 2 Knoten. Das kann ja heiter werden. Zum Glück dreht der Wind ein bischen. Mit Motor und Segel geht’s dann recht flott voran. Ziel ist Sjötorp. Hier beginnt bzw. endet der Götakanal.



Als wir in Sjötorp eintreffen, geht die Schleuse gerade auf. Josefina, die schöne Schleusenwärterin, kassiert die Schleusengebühren - Übernachtung, WC, Dusche, Waschmaschine, etc in den Gästehäfen ist eingeschlossen- und gibt noch ein paar Tipps für stressfreies und sicheres Schleusen. Nach der 2. Schleuse machen wir im Gästehafen von Sjötorp fest. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Gewitter loslegt..... es blitzt und donnert....zum Fürchten.





Samstag, 14. August



Götakanal: 190 km mit 58 Schleusen und 50 Brücken warten auf uns. Bei Schleuse no. 8 hören wir auf zu zählen. Wir haben Glück, die Hauptsaison ist vorbei. Keine Wartezeiten und viel Platz. Oft sind wir allein in der Schleuse. Übrigens SchleusenwärterIn ist ein begehrter Ferienjob für Studenten.



Am Morgen ist es noch grau in grau. Später kommt die Sonne durch.



In Hajstorp gibt’s einen Glacé-Stop. Weiter geht’s, im Kielwasser eines Kanalschiffs haben wir freie Fahrt - alle Brücken sind offen. Wir gleiten mit knapp 5 Knoten. Vorbei an Wald, Wiesen, Kühen auf der Weide, Getreidefeldern erreichen wir Vassbacken, Campingplatz und Gästehafen im Grünen.





Sonntag, 15. August



9:30 Uhr Leinen los. Der Kanal ist eng und kurvig und führt durch lichten Wald und Weiden. In Tatorp haben wir den höchsten Punkt erreicht – von nun an geht’s bergab. Die Schleusentore müssen von Hand bedient werden.



Auf dem Viken bläst eine frische Brise. Wir kreuzen erst mit Fock und Motor. Dann setzen wir das Gross. Geschwindigkeitsrekord 7 Knoten! Nach der Brücke bei Brosundet geht’s eng an alten verfallenen Treidelmauern vorbei durch den Spelnäsetkanal und schon sind wir in Forsvik bei der ersten Abwärtsschleuse – bubi einfach! Über den Botten kommen wir nach Karlsborg. Schöner Gästehafen, schöner Platz längsseits am Steg. Wir kaufen Benzin und Lebensmittel. Nachtessen: Couscous mit Ratatouille.





Montag, 16. August



Heute geht’s über den Vättern, den zweitgrössten See Schwedens. Der Wetterbericht meldet kräftigen Ostwind. Zum Glück kommt er dann aus NO. Hart am Wind segeln wir 17 sm bis Motala. Dort machen wir einen Boxenstop: Einkaufen & Z’Mittag, Couscous-Ratatouille Reste.



Weiter geht’s. Der Kanal führt durch eine Baumallee. Wir passieren die Schleusentreppe (5 Schleusen) von Borenshuilt. Hier wurde im Kriminalroman Die Tote im Götakanal von Maj Sjöwall und Per Wahlöö, die Leiche einer Frau im Schleusenbecken gefunden.



Mit Motor fahren wir über den Boren bis Borensberg. Der Weg über den See zieht sich in die Länge. Um 7 Uhr legen wir in Borenberg an. Nieselregen.





Dienstag, 17. August



Blick zum Himmel: grau. Der Wetterbericht meldet für den Nachmittag mehr Regen & Gewitter. Da machen wir besser heute eine kurze Etappe. Bis Berg sind es 12 sm.

Landschaftlich schöne Strecke. Blick auf den Motala Fluss und seine seenartige Ausbuchtungen. Und, kaum zu glauben,10 sm ohne Schleusen!!



Nach 2 Doppelschleusen machen wir im Gästehafen von Berg fest. Gerade rechtzeitig vor dem nächsten Gewitterschauer.



Die Schleusentreppe mit 7 Schleusen, in denen die Boote den Höhenunterschied von ganzen 18,8 Metern zwischen Kanal und dem See Roxen überwinden, sind die grösste Sehenswürdigkeit und locken im Juli täglich Tausende von Besuchern. Hier gibt es Restaurants, Cafés, Minigolf und einen Riesenparkplatz. Jetzt im August ist nichts mehr los. Im Gästehafen liegen nur ein paar Boote. Wir gehen einkaufen und Berg ansehen. Das Dorf selbst bietet aber, ausser einem ICA Supermarkt, keine Sehenswürdigkeiten.





Mittwoch, 18. August



6:00 Uhr Tagwache. Strahlend blauer Himmel. Schnell einen Kaffee, dann joggen wir im Sonnenschein dem Kanal entlang.



Kurz vor 9 Uhr stehen wir vor der Schleuse. Wir schleusen zusammen mit einer jungen Familie (Papa, Mama (schwanger) & 4-jähriger Sohn. Von ihnen bekommen wir den Tipp „Capella Ecomenica“.



Über den Roxen kommen wir nach Norsholm. Lunch-Picknick im Gästehafen.



Es sieht bedrohlich nach Gewitter aus. Vor Söderköping müssen wir nochmals 8 Schleusen und eine Brücke passieren. Wir erreichen die Brücke gerade noch rechtzeitig für die letzte Öffnung um 18:00 Uhr, um nach Söderköping zu kommen. Einkaufen.

Der Koch bekommt frei, wir holen uns eine Pizza. Anschliessend parkieren

wir nochmal um und verholen in eine Box mit Stromanschluss.





Donnerstag, 19. August



Heute Morgen hat es Nebel und ist grau. Joggen, Duschen, Frühstück. Anschliessend nochmal aufs Aussichtskänzeli mit Blick auf Söderköping.



Um 11:30 Uhr passieren wir bei Mem die letzte Schleuse. Heute ist der letzte Tag mit regulären Öffnungszeiten. Ab morgen muss man sich anmelden und im Konvoi fahren.



Es regnet, regnet und regnet....



Kurzer Boxenstop in Stegeberg zum Tanken.



Wir legen im Regen an der Insel „Capella Ecomenica“ an. Ein Bootssteg ganz für uns allein. Wir lassen uns die Kapelle zeigen und geniessen einen grandiosen Ausblick. Es hat aufgehört zu regnen und die Sonne blinzelt durch die Wolken.





Freitag, 20. August



Zum Abschied lassen die beiden Hüter der Kapelle die Glocken läuten.



Die Sonne scheint und eine leichte Brise weht von achtern. Eine gute Gelegenheit den Spinnaker auszuprobieren.



Wir passieren Oxelösund. Wieder Schärensegeln vom Feinsten. Im Aspöfladen, eine gut geschützte Bucht im Stendörren Naturreservat, machen wir fest. Nach etwas Züpfeln und einmal Umparkieren liegen wir optimal windgeschützt.





Samstag, 21. August



Jogging. Über kleine Brücken erkunden wir das Festland. Ein „Naturum Museum“ informiert über das Naturreservat. Anschliessend ein Bad und Frühstück.

Um 10:30 Uhr legen wir ab. Unser Nachbar hat uns noch ein paar Tips gegeben für gute Ankerplätze auf dem Weg nach Södertälje.



Guter Wind. Wir kommen gut voran.



14:00 Uhr: schwarze Wolken am Horizont, es donnert, der Wind nimmt zu. Wir bergen sicherheitshalber das Gross und fahren mit Volldampf Arkholmen an. Vielleicht schaffen wir’s bevor das Gewitter loslegt? Leider nicht. Wir legen auf der Nordseite gut geschützt an einem Bootssteg eines Segelclubs.



Auf dem Nachbarboot gibt’s ein traditionelles Krebsessen mit Lampions, Girlanden, Partyhüte und bunten Schürzen, und feuchtfröhlich mit Gesang, Bier und Schnaps.



Wir erkunden die Insel und finden ein paar Preisel- und Heidelbeeren.





Sonntag, 22. August



9:30 Uhr mit einer frischen SW Brise fahren wir Södertalje entgegen. Wald und Landwirtschaftsland links und rechts des Hallsfjörden. Keine Schären mehr.



2:15 Uhr kommen wir in Södertalje an. Nur wenige Boote im Gästehafen. Der Wetterbericht im Hafenbüro ist noch von letzter Woche. Die Saison ist vorbei.





Montag, 23. August



9:30 Uhr: Die Schleuse geht auf. Wir machen einen Blitzstart und hätten fast die „Dicke Berta“ übersehen, die in die Schleuse einfährt.

Wir passieren die Schleuse und erreichen nach ca. 1 Stunde Fahrt auf dem Södertljekanal den Mälarensee. Der Mälaren ist nach Vänern und Vättern der drittgrösste See Schwedens. Mit den dicht bewaldeten Ufern erinnert uns die Landschaft an die Masuren.



Petrus und Rasmus meinen es gut mit uns. Sonne, blauer Himmel mit ein paar dicken tiefliegenden Wolken. Der Wind kommt aus SW (West war vorhergesagt) und wir können mehr Segeln, als erwartet.



Die Brücke bei Stallarholmen erreichen wir eine Viertelstunde zu spät. Die Wartezeit wird versüsst mit einer Glace aus dem ICA-Laden.



Traumhafte Abendstimmung und spektakuäre Kulisse mit Dom bei der Einfahrt nach Strängnäs. Vorher müssen wir aber noch eine Brücke passieren. Monika drückt wieder den Knopf „Brukvarten“. Schriller Klingelton, dann meldet sich der Brückenwärter über den Lautsprecher und sagt/fragt etwas auf Schwedisch. M. ist ganz verdattert und für einen Moment sprachlos.....



Wir machen im Gästehafen fest, zentral mitten in der Stadt gelegen.





Dienstag, 24. August



Wetter grau in grau und Nieselregen. Wir gehen trotzdem joggen. Danach gibt’s eine warme Dusche und Frühstück. A. geht einkaufen. M. macht das Boot ablegebereit.



Um 10:30 Uhr legen wir ab. Erste Wolkenlücken und Sonnenstrahlen. Auch mit dem Wind können wir zufrieden sein.



Gegen 14 Uhr ziehen wieder dunkle Wolken auf. Regenschauer und Sonnenschein. Regenbogen und dramatische Farben zwischen Himmel und See.



Am Ende des Granfjärden nehmen wir die Segel runter. Es rumpelt bedrohlich und schwarze Gewitterwolken ziehen auf. Wir kommen aber noch trocken in Sundbyholmen an. Saisonende, wir sind heute die einzigen Gäste. Gewitter, hinterher scheint wieder die Sonne. Moderne sanitäre Anlagen inklusive Sauna! Grill Znacht, Lachs mit Kartoffeln à la Fischhändler ....mmmmmmhh FEIN!





Mittwoch, 25. August



Um 6 Uhr scheint noch die Sonne. Eine Stunde später regnet es und regnet bis 11 Uhr. Dann kommt pünktlich die vorhergesagte Wetterbesserung.



Heute, am letzten Tag, probieren wir noch mal alle Segel (inklusive Spinnaker) und motoren dazwischen immer wieder ein paar Meilen.



Bei der Kvicksundbrücke verpassen wir wiedermal die Brückenöffnungszeit. Statt einen Knopf zu drücken, muss M. heute an einem Seil ziehen, um sich zu melden.



In Kungsör angekommen suchen wir erstmal die Einfahrt durch den Schilf zur Bootswerft. Bei den „2 Stolpen“, sagt einer ... Stolpen? was auch immer das heisst.... wir probieren’s und .... stecken im Schlick fest! Muss das sein? Aber wir haben Glück im Unglück und kommen mit Motor wieder frei.



Schliesslich finden wir doch noch die richtige Einfahrt in die Werft.





Donnerstag, 26. August



Die Hilde wird, bevor sie in den wohlverdienten Winterschlaf geht, nochmal gründlich geputzt und eine Liste mit den notwendigen Reparaturen wird erstellt.



Morgen Freitag reisen wir mit der Bahn nach Stockhom. Am Samstagmorgen fliegen wir zurück in die Schweiz.



Zum Schluss noch die statistische Bilanz:



Total Seemeilen: 1253

davon gesegelt 771

mit Motor: 482



Spielstand Backgammon Alfred – Monika: 20 : 7