4. Seniorentörn rund Obrust und Tjörn

Dienstag, 20 Juli



Crewwechsel: Kurz nach 3 Uhr winkt Hansjörg, unser Nachbar in Ennetbaden, von der Hafenmole. Die Hilde ist schon reisefertig. Nachdem sich Hansjörg mit Räucherfisch und einen Bier gestärkt hat, legen wir ab.

Sonne und ein paar Regenspritzer. Das Wetter ist wieder mal besser als die Vorhersage.

Nach ca. 2 sm, nachdem die Brücke passiert ist, setzen wir Segel und sausen mit halbem Wind mit +/- 6kn nach Westen. Hansjörg übt sich im Steuern und steuert die Hilde ab und zu im Schlingerkurs auf die entgegenkommenden Schiffe zu.

Im Naturhafen auf der Insel Rammen finden wir ein gutes Plätzchen, neben einem Dutzend anderer Boote, die meisten sind Segelboote.

Zum Znacht gibts ein > 1kg Flintsteak, von dem dann ein grosses Stück übrigbleibt. Das neue Crewmitglied hat nicht soviel Appetit, wie frühere.

Auf einer Informationstafel steht, dass es während der grossen Heeringszeit (1747 – 1803) auf Rammen eine Heeringssalzerei und eine Trankocherei gab. Während der Saison wohnten und arbeiteten hier um die 80 Leute. Als dann die Heeringe anfangs des 19 Jahrhunderts verschwanden, zogen die Leute weg, bauten die Häuser ab und stellten sie auf dem Festland wieder auf.





Mittwoch, 21. Juli

Sonne und eine leichte Brise aus Süd. Unser Kurs geht nordwärts. Segeln vom Feinsten. Durch den Hintereingang nach Marstrand – unter Segeln selbstverständlich – die Hilde kennt ja nun den Weg schon. Als wir an Marstrand vorbeigesegelt sind, fängt der Magen an zu knurren. Zeit für ein Picknick.

Um 4 Uhr erreichen wir unser Tagesziel, Toftö, gegenüber von Skärhamn. Nach einer Kletterpartie auf den Felsen, wird der Platz als nicht seniorenfreundlich befunden. Wir motoren zum nächsten Platz. Nach einer kurzen Suche – sollen wir da oder lieber dort?- entscheiden wir uns für die Bucht auf Härön, gegenüber von Skaboholmen.

Wir sammeln Preiselbeeren fürs Frühstück. Doch als wir daraus Konfi kochen wollen, wollen die Beeren nicht weich werden.... wohl noch nicht reif?

Dafür klappt die Zubereitung des Nachtessens bestens. Die Potatis Press hat Premiere. Es gibt Schwedische Hausmannskost: Kotböllar mit Härdöpfelstock, Salat und eine Flasche Vino. Herz was begehrst du mehr?





Donnerstag, 22. Juli

Regen trommelt auf die Persenning.....Ausschlafen.

Im Laufe des Morgens lässt der Regen nach und die Sonne guckt wieder ab und zu durch eine Wolkenlücke.

Als wir dann am Mittag den Anker lichten, ist wieder blauer Himmel und eine mässige Brise (4Bft) weht aus SW. Auf dem Wasser-Highway herrscht heute Hochbetrieb. Wer Segel hat, der setzt sie. Auch die Hilde saust mit +/- 6 kn und liefert sich mit ihren grossen Schwestern zur Abwechslung ein Wettrennen.

Durch den Mollösund, vorbei an Gullholmen sind wir auch schon bald an unserm Tagesziel, Väsholmarna, eine Insel westlich von Grundsund.

“Very good night harbour”, sagt der SXK-Führer. Nur als wir dor ankommen, sind die besten Plätzchen leider schon besetzt und der Wind pfeift durch die Lücken in den Felsen. Hier werden wir heute nicht glücklich! Wir nehmen Kurs nach Porsholmen. Aber auch hier sind die guten Plätze schon von ein paar Motorbooten besetzt. Weiter nach Tjällsö Holme. Aber auch hier pfeift der SW noch kräftig in die Ankerbucht. Nach einem missglückten Anlegemanöver, geben wir auf. Nächster Versuch in Skarvesäter. Dort waren wir schon mit Annatina & Christoph. Hier klappt zwar das Anlegemanöver, mit Hilfe des Nachbarn. Von ihm erfahren wir auch, dass heute Nacht der Wind auf NO drehen soll. Dafür ist unser Ankerplatz auch nicht ideal.

Also Anker auf! Dann gehen wir halt nach Bassholmen. Dort liegen wir geschützt, woher der Wind auch kommt. Nur, als wir gegen 7 Uhr dort ankommen, ist der Steg bis auf die kleinste Lücke besetzt. Also weiter suchen. Zum Glück werden wir gleich um die Ecke fündig. Ein 5-Sternankerplatz: Mooringringe, windgeschützt, quallenfrei und Heidelbeeren hats auch.

Soviel Ankerplatzsuche macht hungrig. Ein feines Lauchrisotto krönt den Tag.





Freitag, 23. Juli

Der Wind hat auf NO gedreht. Ich nehme ein Bad - wenn’s schon mal keine Quallen hat!

Unser deutscher Nachbar ist am Züpfeln, sein Anker rutscht. Unser Anker hält!

Nachdem wir ein grosses Glas Heidelbeeren gefüllt und uns damit ein weiteres Deluxe Frühstück gemacht haben, legen wir ab. Unser heutiges Ziel ist Henan, ca. 10 sm entfernt. Ein Katzensprung. Gegen Mittag sind wir dort. Aber Vorsicht mit dem „Katzensprung“, das haben wir schon mal gesagt....

Zuerst motoren wir durch die enge Passage von Strömmar. Kein Problem, Hilde kennt den Weg schon in-und auswendig.

Als wir den Koljofjord erreicht haben, setzen wir Segel. NO das heisst 3-4 sm gegenan kreuzen. Alles läuft bestens. Dann muss Hansjörg mal zur Leewante. Ich fiere das Gross aus, so dass wir weniger Schräglage haben ....Hj. hangelt sich nach vorne und dann...... schwimmt er im Wasser. Pfffffff zischt’s und die Schwimmweste bläst sich auf.... Wir haben uns immer gefragt, ob die Dinger tatsächlich funktionieren – jetzt wissen wir’s. Ich verzichte lieber auf das schulmässige Mann-über-Bord-Manöver, hole das Grosssegel ein und motore zur Rettung des „Schiffbrüchigen“. Bevor er wieder auf der Badeleiter (Monika hat wieder mal recht gehabt, als darauf bestanden hat, eine Badeleiter installieren zu lassen) an Bord klettern darf muss er erst noch für’s Photoalbum posieren „smile please“.

Nachdem sich Hj. umgezogen hat, kreuzen wir weiter. Im Hafen von Henan trocknet dann die Sonne die nassen Kleider, während die Senioren-Crew sich mit den Risottoresten von gestern stärkt.





Samstag, 24. Juli

Da klaut mir doch einer meine Unterhose und mein Hemd in der Dusche, während ich auf dem WC sitze! Verdächtigt wird ein Alki, der morgens um 7 Uhr auf einer Bank sitzt und ein Bierchen hinter die Binde giesst.

Nachdem wir im Systembolaget unsere Weinvorräte ergänzt haben, legen wir ab. Wir machen gute Fahrt und erreichen ca. 4 Stunden später unser Tagesziel. Lyckorna ist ein ehemaliges Seebad, mit prächtigen Sommerhäusern gutbetuchter Göteborger.

Ein Spazierweg am Wasser entlang führt an der Kirche und Friedhof vorbei nach Lungskile. Es gibt Himbeeren, wohin das Auge blickt..

Nachtessen: Ein grosser Topf Ratatouille und Couscous.





Sonntag, 25. Juli

Ich gehe joggen, auf dem Küstenwanderweg, der leider nach ein paar Hundert Metern die Küste verläss und geteert durch das Sommerhausviertel führt.

Es nieselt ein bischen und fängt dann zu regnen an und regnet, regnet und regnet den ganzen Tag. Davon hat der Wetterbericht gestern nichts gesagt. Aber was soll’s, so komme ich endlich mal dazu, das Tagebuch für den Blog nachzutragen.

Als es dann gegen Abend aufhört, gehen wir ins Dorf, um etwas für morgen für den Grill einzukaufen. Inzwischen hat Petrus den Tank wieder aufgefüllt und lässt’s weiterregnen. Bei einem Bier warten wir auf eine Regenpause für den Heimweg.

NNW Wind. Es ist ungemütlich kalt, 2-Pulloverwetter. Wir wärmen Couscous und Ratatouille auf, das richtige Essen für diese Temperaturen!



Montag, 26. Juli

Die grauen Wolken verziehen sich, die Sonne kommt durch, ein weiterer schöner Sommertag. Während Hansjörg im Dorf frisches Brot einkauft, sammle ich noch schnell ein grosses Glas Himbeeren.

Wir segeln an der Ostseite von Orust und Tjörn den Hakefjord nach Süden und machen dann in der schönen Bucht Hättan-Kärrson an der Insel Skutholmen fest.

Wir haben 3 Koteletts auf dem Grill und 2 hungrige Möven auf der Lauer. Dann schnappen sich die beiden je ein Kotelett, schlingen es hinunter und .... das dritte Kotelett können wir gerade noch retten und dann teilen- Seniorenportion.





Dienstag, 27. Juli

Wir motoren 2 sm nach Dyrön und machen dort einen Zwischenstop im Sydhamnen. Im ICA Supermarket kaufen wir Fleisch für den Grill.

Dann wandern wir auf einem gut markierten Insellehrpfad zum Nordhafen. Grandiose Aussicht auf das Archipel zwischen Marstrand (Koön) und Tjörn, den Hafen von Astol und schmale Durchfahrt zwischen Rönmang und Tjörnkalv. Auf einer Informationstafel lesen wir, dass während des 2. Weltkrieges, die Einheimischen von hier oben die Seeschlachten im Skagerag beobachtet haben.

Wieder im Südhafen, wärmen wir, zum 2. und letzten Mal, die Ratatouillereste auf. Dann geht’s weiter in Sausefahrt nach Djupsholmarna, eine schöne Bucht östlich von Hyppeln.

Wir grillieren und die Möven warten schon. Aber heute sind wir auf der Hut.





Mittwoch, 28. Juli

5 Uhr. Die Hilde bumst gegen die Steine. Der Wind hat auf Ost gedreht. Ich muss aufstehen und züpfeln.

Nach dem Gang aufs Moos nehme ich ein Bad – die Quallen sind weg, oder schlafen noch. Kaffee, Frühstück, Lesen. Ich schaffe es endlich „Perlmanns Schweigen“ von Pascal Mercier zu Ende zu lesen. Uuuhure spannend, so spannend, dass ich manchmal das Buch weglegen musste...

Ich frage den schwedischen Nachbarn nach dem Wetterbericht. Heute Mittwoch soll es einen weiteren schönen und warmen Sommertag geben, mit einer leichten Brise aus SW, und morgen Donnerstag soll es gegen Abend anfangen zu regnen, Freitag Regen und viel Wind (Starkwindwarnung!).

Was sollen wir machen? Göteborg oder noch eine Insel. Hansjörg hat genug von den Naturhäfen und den schlüpfrigen Felsen. Wir beschliessen Vinga anzulaufen. Eine Lotsenstation vor der Einfahrt nach Göteborg.

Wir kreuzen erstmal geduldig 2-3 Meilen und segeln dann mit einer leichten Brise, am Wind, Kurs Süd, nach Vinga.

Als wir näherkommen und die vielen Masten sehen, ahnen wir schon, dass wir nicht die Einzigen sind, die heute Vinga als Ziel ausgesucht haben. Bei der Durchfahrt wird dieser Eindruck bestätigt: der Hafen ist besetzt, bis auf die letzte kleine Lücke. An der Mole liegen mehr als ein Dutzend Boote im Päckchen und warten, ob nicht doch noch ein Platz frei wird.

Von der Hafenmole ruft uns einer zu (der Hafenmeister? oder sonst eine hilfreiche Seele?) und gibt uns wohlgemeinte Ratschläge, wo evtl. ein Platz neben einem dänischen Folkeboot frei wird....aber erst mal sollen wir warten... „Tack sa mycket!” Aber für auf die Warteschlaufe haben wir keine grosse Lust mehr. Dann gehen wir lieber gleich nach Göteborg.

Wir segeln vor dem Wind und damit es nicht zu spät wird, nehmen wir den Flautenschieber zur Unterstützung.

Hoffentlich hat’s dann in Lilla Bommen Platz? Aber keine Sorge. Der Hafen ist zwar voll, aber im „Hinterhof“ mit 1.5m Tiefe hat es noch reichlich Platz.

Der Hafenmeister gibt uns Rabatt, gratis Elektrizität, weil wir gute Kunden sind. „Tack sa mycket!”

Zum Nachtessen gibts dann Fusion Kitchen, nämlich schwedische Hausmannskost Kotböllar mit italienischer Polenta.



Donnerstag, 29. Juli

Hafentag.

Ich habe gestern abend noch eine Maschine voll Wäsche gewaschen und aufgehängt. Heute morgen ist fast schon alles trocken. Zum Glück, denn bald fängt’s auch schon an zu nieseln.

Hansjörg geht auf Stadterkundung. Ich kaufe für weitere 7 Tage Internetzugang und mache mich dann an die Aktualisierung des Blogs.

Apéro mit einer Flasche Sauvignon Blanc aus New Zealand, Shrimps und Aioli Sauce aus Schweden.....mmmmmhhh-FEIN!

Anschliessend gehen wir ins Ängla Café Pasta essen.

Inzwischen hat es sich eingeregnet. Der Regen trommelt gemütlich auf die Persenning und uns in den Schlaf.



Freitag, 30 Juli

Regen. Regen. Es regnet ohne Pause. So als wollte Petrus nachholen, was er die letzten 4 Wochen versäumt hat. Die Abendzeitungen berichten vom Regenchaos an der Westküste.

Hansjörg geht auf Museumsbesuch. Ich schreibe weiter am Blog....

Um 16 Uhr bringe ich Hansjörg zum Busbahnhof. Er freut sich schon auf ein richtiges Bett in einem geräumigen Hotelzimmer und auf das schöne Sommerwetter in der Schweiz.

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