3. Pettersson und Findus auf kulinarischer Segelreise

Samstag, 3. Juli


Na ja, ganz quallenfrei ist’s auch hier nicht. Es hat Quallen, wenn auch nicht so viele und eher kleine.

Dafür gibt’s auch hier Heidelbeeren. Wie bei den Quallen „nicht so viele und eher kleine“.

Ich sammle ein weiteres Glas voll.

Dann packe ich zusammen und segle die 6 sm nach Henan hinüber.

„Henan är ingen pittoresk idyll, utan Orust kommuns rationella centralort. Här finns allt....“, meint mein Hafenführer. So gibt’s natürlich auch eine Beiz, wo ich auf Grossleinwand den 4:0 Sieg der Deutschen über Argentinien schauen kann. Dabei hätte ich’s beinah verpasst, weil ich fest der Meinung war, dass sie erst am abend spielen.

Es ist heiss. +/_ 30°. Aber für heute Nacht und morgen Vormittag hat der Wetterbericht Regenschauer angekündigt. So habe ich Zeit und Muse, um endlich den Blog nachzutragen und ins Netz zu stellen.





Sonntag, 4. Juli

Um 5 Uhr, pünktlich wie vorhergesagt, fängt es an zu regnen. Nach der Hitze des gestrigen Tages, tut ein bischen Abkühlung gut.

Im Touristinformationsbüro bestätigt man mir, dass es auch regelmässige Busverbindungen von Henan nach Göteborg gibt. So könnte Pitschi morgen auch nach Henan kommen und ich spare mir den Weg nach Uddevalla.





Montag, 5. Juli

Hafentag: Einkaufen, Lesen, Blog Schreiben.... Lade den Wetterbericht vom Internet runter. Der Norwegische Wetterbericht http://www.yr.no/place/Sweden/ ist gut gemacht, es gibt ihn auch in English und er lässt sich einfach speichern.

Kurz vor 16 Uhr skype ich mit Pitschi. Sie ist gelandet, muss aber noch Geld wechseln und schafft’s nicht mehr auf den 15.50 Uhr Direktbus.

Ich mache schon mal die Hilde startklar. Vielleicht können wir heute abend noch nach Stegelholmen segeln. Dann erhalte ich folgende SMSs:

1. „komme um 17.43 an“

2. „komme erst 18.43 an“

3. „hat keinen früheren“

4. „“ich gebs auf, muss auf den nächsten warten“

5. „um 19.43 kommt er an“

6. „ist kein Bus gekommen“

7. „der nächste fährt um 20.25 kommt um 20.45 an

8. „so geschafft“

Als Pitschi dann um ¼ vor 9 Uhr ankommt, ist es zu spät für Stegelhomen. Also ziehen wir der Hilde wieder das Häubchen über, montieren das Stromkabel, den Tisch, etc. und kochen Spaghetti mit Pesto.





Dienstag, 6. Juli

Kurz vor 9 Uhr legen wir ab. Vor lauter Plappern verpassen wir die Abzweigung und fahren ein paar Extrameilen. Bei Lökskären biegen wir ab, Richtung Strömmarna. Ich kenne den Weg schon, also segeln wir mit Gross und Motor standby durch die schmale Fahrrinne. „Motor standby“ ist eine gute Idee, wenn der Wind in einer engen Passage mal wieder direkt von vorne kommt.

In Bassholmen machen wir einen Boxenstop. Am Kiosk hängt ein Schild „kommer strax“. Wir fragen uns, wie lange „strax“ wohl dauern wird. Unsere Geduld wird mit einem Glacé belohnt. Gestärkt mit einem kleinen Imbiss (graved Lachs und geräucherter Makrele) sausen wir, wieder mit Gross und Motor standby, durch einen Slalom von roten und grünen Spieren den Geteviksund hinauf. Im Gullmannsfjord bläst es dann zünftig. Laut Wetterbericht 8-11 m/s (5 Bft). Auf der Kreuz umrunden wir Lysekil und dann geht’s mit halbem Wind in sausender Fahrt (> 6kn) unserm Ziel, Lilla Kornö entgegen.

Früh Aufstehen hat sich wieder mal bewährt. Wir finden ohne Probleme ein gutes Plätzchen. Lilla Kornö hat einen, von hohen Schärenfelsen gut geschützten, kleinen Hafen. Sehr pittoresk mit schönen weissgestrichenen Sommerhäuschen. Wasser wird in Zisternen gesammelt. Für Trinkwasser gibt’s eine Handpumpe. 200 m auf der andern Seite des Dorfes gibts ein TC und 2 blitzsaubere Duschen. Das Hafengeld kostet 180 Skr, Dusche und Strom inclusive.

Wir grillieren 2 riesige Spareribs. Dazu gibts die bewährten Gschwellti & Salat. So geht ein feiner Segeltag zu Ende.





Mittwoch, 7. Juli

Unser heutiges Tagesziel ist Hunnebostrand, bzw. ein Fernseher, um Fussball zu schauen. Rasmus sorgt für reichlich Wind und Wellen. Wir kreuzen durch die enge Fahrinne mit Kurs Smögen. Pitschi ist an der Pinne und Vorschoter Alfred holt dicht und navigiert. Wir bekommen viele „thumbs up“ aber der eine oder andere Motörler macht vielleicht in Gedanken einen „Stinkifinger“, wenn er wegen uns ausweichen muss.

Dann geht’s gemächlicher mit Motor (Segeln verboten) durch den Sotekanal. In Hunnebostrand ist schon zur Mittagszeit alles voll, wir können die Hilde gerade noch zwischen zwei Dickerchen quetschen.

Hunnebostrand war früher ein wichtiger Lieferant für roten Granit. Hitler’s Architekt Albert Speer hat hier Granit für seine Siegesdenkmäler bestellt und nicht abgeholt. Man hat dann stattdessen eine Badebucht damit gebaut, die sog. „bitch beach“.

Und nun zum Fussball. Wir laufen 2 km zu der, von der Touristoffice-Tussi empfohlenen Beiz. Als wir dort ankommen, sagt man uns „ we close at 9 ... „ Die 2. Halbzeit schauen wir uns in der Hafenbeiz an. Die Beiz ist bis auf den letzten Platz gefüllt, fast alle „cheeren“ für Spanien „Viva Espagna“. Kein Wunder, dass die Deutschen nichts Gescheites zustande bringen.





Donnerstag, 8. Juli

Heute geht der Wecker (Alfred) um 6 Uhr. Pitschi geht joggen.

Weiter mit achterlichen Wind den Hamburgsund hinauf zu unserm heutigen Tagesziel, dem Naturhafen Trinisla. Während gestern um diese Zeit, der Hafen schon 99% voll war, liegen wir jetzt noch allein in der Bucht. Später gesellt sich eine schwedische Yacht dazu.

Wir braten die Risottoreste zum Zmittag und legen einen Lesenachmittag ein .... daraus wird dann allerdings ein Dösenachmittag. Pünktlich, wie vorhergesagt, fängt es um 3 Uhr an zu regnen. Sobald es wieder aufhört, nehmen wir 2 Gläser und gehen wilde Erd- & Himbeeren sammeln.





Freitag, 9. Juli

Frühstück deluxe: Joghurt mit Erd-& Himbeeren, Spiegeleier, etc.

Mit einer frischen Brise (+/- 5 Bft) aus SW, fahren wir weiter nach Norden, 29 sm nach Ramsökalven. Südlich von Ramsökalven ist Robbenschutzgebiet. Eine Robbe taucht kurz auf, guckt so, als ob sie fragen wollte „ hey, wer kommt denn da?“ und jagt der Skipperin einen Riesenschrecken ein. Sie hat schon geglaubt: Ungeheuer von Lochness, oder so.
Die Einfahrt in den Naturhafen von Ramsökalven ist ganz schön knifflig, ein richtiges Steinelabyrinth. Wenn dann auch noch dem Motor der Most ausgeht, der Einfüllstutzen unter der Ankerkette versteckt liegt und die Hilde auf die Untiefe zudriftet, steigt der Adrenalinspiegel kurz sprunghaft an. Der Hafen wird als ungeeignet befunden. Zu wenig windgeschützt. Wir machen einen U-turn, kurven zwischen den Steinen wieder hinaus und nehmen Kurs auf die Nachbarinsel, Ursholmen. Auch hier ist die Einfahrt mit Steinen und Untiefen gespickt. Der SXK-Führer empfiehlt: „...approach is a bit complicated and the first attempt to come here should be made when the weather is nice and calm…” Wir schaffen die Einfahrt ohne anzubumsen. Der Ankerplatz ist bestens geschützt.

Ursholmen war früher eine bemannte Leuchtturmstation, die westlichste Schwedens. Die Station war lange Zeit sehr isoliert. 1930 wurde sie mit einem Motorboot ausgestattet, 1940 mit einem Telephon und 1960 mit Elektrizität. Heute werden die Gebäude von einer Stiftung unterhalten.





Samstag, 10. Juli

Unsere Nachbarn von einer schwedischen Segelyacht wollen heute nach Skjärhalden auf der Insel Kirkoy in Norwegen segeln. Das wäre doch auch was für uns, so als nördlichster Punkt unserer Reise. Aber zuerst wollen wir noch nach Kyrkosund auf Südkoster – gerademal 4sm entfernt, unsere bisher kürzeste Etappe.

Kaum sind wir wohlbehalten durch den Felsen-und Untiefenlabyrinth hinausgekurvt und haben die Segel gesetzt, da sichten wir auf einem Felsen eine Robbe beim Sünnele, in Gesellschaft von 2 Möven.

In Kyrkosund finden wir ohne Probleme einen Platz, neben einer schwedischen Segelyacht. Fast alle anderen Boote kommen aus Norwegen. Alle elektrischen Anschlüsse sind belegt, aber wir dürfen unser Kabel bei unserm Nachbarn einstecken – tack sa mycket!

Wir mieten 2 Velos (80 SKr/Velo) und pedalen los, um die Insel zu erkunden. Aber schon nach 2 km machts „PÄNG..“ Alfreds Velo hat einen Platten. Wir strampeln zurück, Pitschi auf dem Gepäckträger balanciert das kaputte Velo. Zum Glück erbarmt sich ein netter Schwede und lädt Alfred und Velo auf die Transportplattform seines Töffs.

Das Ersatzvelo hat zwar auch einen Macken –vielleicht hätten wir doch lieber ein neues für 100 SKr mieten sollen?-, aber wir schaffen die 4 ½ km nach Eknäs, dem Hauptort, an der NO-Küste von Südkoster, ohne Panne.

Im Fischladen kaufen wir Lachs für den Grill und machen eine neue kulinarische Entdeckung, Shrimps für den Apèro.





Sonntag, 11. Juli

Der Tag beginnt mit Sonne und blauem Himmel. Höchste Zeit, die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Wir schnüren die Joggingschuhe und laufen los. P. macht eine grosse Runde, A. begnügt sich mit einer kleineren.

Unser Tagesziel ist Skjärhalden. Inzwischen ist es bedeckt und am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Der Wetterbericht hat Gewitter vorhergesagt.

P. macht heute Navigation und übt sich im Gebrauch des GPS. Unterdessen kommen die dunklen Wolken am Horizont immer näher. „Lieber zu früh, als zu spät“, würde die Moni sagen. Wir ziehen unsere Regenuniform an und dann fallen auch schon die ersten Tropfen. Das befürchtete Gewitter kommt aber nicht und, kaum haben wir im Hafen von Skjärhalden festgemacht, scheint die Sonne wieder und heizt uns dann tüchtig ein. Einkaufen im SPAR. Schwedisches Geld will man nicht, aber man kann alles, auch die kleinsten Beträge mit Visa bezahlen. Alfred kauft eine Norwegische Gästeflagge. Wenns auch nur für einen Tag ist. Vielleicht kommen wir irgendwann mal wieder?

Aufs WM-Finale verzichten wir. Ohne Jogis Jungs macht das keinen Spass. Wir spielen stattdessen Backgammon. 1:0 für Pitschi.





Montag, 12 Juli

6 Uhr: Pettersson und Findus gehen wieder Joggen. Zuerst Sackgasse, dann auf einem schönen Waldweg der Küste entlang. Links und rechts Heidelbeeren. Nächstes mal Glas mitnehmen!! Anschliessend Sprung ins Hafenbecken und Schlauchdusche auf dem Bootssteg.

Für die Ausfahrt wählt A. die Route zwischen Nordre - &  Sondre Sandoy. Ein genauerer Blick auf die Karte zeigt jedoch ein Stromleitung mit 10 m Höhe. Kurswechsel, wir nehmen die südöstliche Ausfahrt zwischen Herfol und Sondre Sandoy.

Anfangs machen wir noch recht gute Fahrt (+/- 4kn). Doch dann nimmt der Wind ab, dreht nach Süd und schläft schliesslich ganz ein. Steuerfrau Pitschi stört der fehlende Wind weniger, als die Sonne, die ab und zu hinter einer Wolke verschwindet. Schliesslich will sie ja braun werden.

Am heutigen Ziel, Ängra- &  Testholmen, im Sannäsfjorden angekommen, finden wir auch bald ein lauschiges Plätzchen. Der SXK-Führer meint zu diesem Platz: „....dramatic scenery, with nice walking grounds outlooks....“ und Heidelbeeren hat es auch! Wir sammeln ein halbes Glas voll.

Heute wird wieder grilliert. Das 1kg Flintsteak hat kaum Platz auf dem Grill .

Und dann fängt es an zu donnern, Gewitterböen aus Osten. Wir müssen züpfeln und schaffen es gerade noch bevor das Gewitter loslegt.





Dienstag, 13. Juli

Der heutige Tag steht unter dem Motto: „Alles isch füecht!“

Dabei hat der Tag noch ganz freundlich begonnen. Wir joggen durch den Wald nach Havstensund und sammeln Erdbeeren. A. verirrt sich mal kurz im Wald und stösst fast mit Pitschi zusammen, die vor Schreck fast ins Gebüsch fällt. Anschliessend Baden mit gegenseitiger Quallenausschau. Pitschi hat gestern eine leicht touchiert und meint „alles halb so wild, Brennnesseln sind schlimmer!“

Um 10 Uhr haben wir unser Morgenprogramm beendet und fahren los. In Havstensund machen wir einen Boxenstop und kaufen Fisch für den Grill. Neben Fisch bekommen wir vom netten Fischhändler auch noch ein Rezept für die Kartoffeln und die Zutaten, Lauch (gewaschen!!) und Tomaten, aus dem eigenen Kühlschrank dazu.

Wir setzen Segel und kreuzen das Fahrwasser nach Süden.

Petrus oder Rasmus, wer auch immer dafür zuständig ist, fällt ein, dass er ja heute Nacht hätte regnen lassen sollen und holt es jetzt nach... es schüttet aus vollen Kübeln. Aber sowas macht das Segeln ja erst richtig würzig. Der Wind hat dann auch noch kräftig nachgesalzen. Obwohl die 15m/s, vom Fischverkäufer vorhergesagt, dann doch eher durch 2 geteilt werden müssen.
Nach Regen kommt Sonne. Aber auch diese Versprechung von Herrn Kachelmanns Kollegen, lässt heute auf sich warten. „Alles isch füecht!“ stöhnt Pitschi genervt und kontrolliert immer wieder, ob zwischen den Fingern schon Schwimmhäute wachsen „ ...und kalt isch es au no!“

Zum Glück finden wir dann schnell ein schönes Plätzchen in der Gluppö-Bucht („....most probably the most popular natural harbour on the west coast....“). Bei der Suche nach einem geeigneten Ankerplatz bleibt die 1m - Untiefe unbeachtet und unberührt. Schwein gehabt!!

Deluxe Znacht: Thunfisch mit Lauchkartoffeln à la Fischhändler, mit dem letzten Rest Holzkohle grilliert, schmecken mmmmmmmmmmh...uuhure FEIN!

ps. zur Gluppö-Bucht: Eine Woche später erzählt mir ein Schwede, dass in den Nachrichten berichtet wurde, dass ein Gewittersturm in der Bucht Chaos und an den Booten grossen Schaden angerichtet hat. Also nochmal Glück gehabt!!!





Mittwoch, 14. Juli

Sonne, blauer Himmel und eine leichte Brise aus SSW. Ein idealer Tag zum Segeln. Nur wer nach Süden will, muss motoren oder kreuzen. Die Hilde ist ein Segelboot und will segeln. Alles klappt bestens, Pitschi an der Pinne und Alfred als Vorschoter und Navigator sind ja schon ein gut eingespieltes Team. Bis auf die schmale Fahrrinne „Hornö ränna“, am südlichen Ende des Hamburgsunds. Wir haben schon geglaubt, dass wir alles erfolgreich gemeistert haben, als wir das Durcheinander einer Optimistenregatta, Segelbooten auf Vorwindkurs und Motorbooten hinter uns hatten. Doch dann kommt just an der engsten Stelle ein Fahrgastschiff um die Ecke und drückt einmal kräftig auf die Hupe, um zu sagen: „Alle weg da, ich habe Vorfahrt!“ So stellen wir halt die Hilde kurz in den Wind und warten bis die „Dicke Berta“ uns passiert hat. Als wir dann zufällig mal wieder einen Blick zurück werfen, merken wir, dass sich hinter uns schon eine lange Schlange von Booten gebildet hat. Mit mehr Glück als Verstand, oder Dank der coolen Skipperin, schaffen wir es 2m vor dem Felsen wieder genügend Fahrt für die nächste Wende aufzunehmen. Neben wohlwollenden „no problem“ schüttelt der eine oder andere genervt den Kopf. Mit grosser Wahrscheinlichkeit waren wir heute die Einzigen, die die Hornö ränna kreuzend passiert haben.

Soviel Adrenalin im Blut macht hungrig. Wir machen im Hafen von Bovallstrand einen Boxenstop und geniessen ein wohlverdientes Z’Mittag mit Bratkartoffeln und geräucherten Makrelenfilets. Dann kaufen wir die Zutaten, für die Wiederholung des Grillschmauses ein: 2 Sorten Fisch, und Frühlingszwiebeln (statt Lauch) für die Kartoffeln.

Wir machen in Halekile, gegenüber von Keö fest und geniessen den schönen warmen Sommerabend. Für Morgen hat der Wetterbericht Regen angesagt.





Donnerstag, 15. Juli

Blauer Himmel, Sonne. Doch leider ist das nur von kurzer Zeit. Gerade lang genug, um noch ein Glas Heidelbeeren zu sammeln und zu frühstücken. Dann fängt es an zu regnen.

Wir nutzen eine Regenpause und brechen auf. Nicht so einfach, weil die Felsen schlüpfrig sind, wie mit Schmierseife eingerieben,. Alfred macht die Felsnägel los und rutscht auf dem Hosenboden den Felsen hinunter, Füsse voran, kann er sich am Bug gerade noch abstoppen..

Wir motoren eine Meile zum Hafen von Malmön. Kaum haben wir festgemacht und Hilde das Häubchen aufgesetzt, kommt auch schon der nächste Regenschauer. Nach einem kleinen Snack mit feiner Elchsalami wäre eigentlich Lesestunde auf dem Programm. Aber wenn sie mal Zeit hätten zum Lesen, machen sie lieber andere Sachen. Zum Beispiel: Alfred geht Wäsche waschen, Pitschi ID kopieren, für die Anmeldung an der Uni, Alfred wandert mit der Fock zum Segelmacher, um die Drahtschlaufe am Schothorn ersetzen zu lassen, ohne Erfolg, aber dafür kommt er mit 2 geschenkten Segellatten zurück.
Pitschi entdeckt auf dem Steg ein paar herrenlose Gummistiefel. Trifft sich gut, Pitschi könnte sie gut gebrauchen. Sie gibt aber dem allfälligen Besitzer noch eine Nacht Bedenkzeit und rückt sie dann ein Stück weiter , Richtung Hilde. „Ganz sicher vergessen, es hat schon Spinnweben drin“, sagt die neue Besitzerin.

Zum Znacht gibts Kotböllar, mit handzerdrücktem Kartoffelbrei. Megalecker!

Backgammon: der Verlierer muss Abwaschen & Abtrocknen. Alfred gewinnt - ha ha!

Um 9 Uhr bläst einer den Zapfenstreich, und wird mit viel Beifall belohnt.... alle holen die Flagge ein.

Im Hafen liegt ein luxuriöses Motorboot und gibt Anlass zu Spekulationen: „Was das wohl gekostet hat?.... Mindestens 1 Million. Wie hat der Besitzer, so wie er aussieht, wohl sein Geld verdient? “





Freitag, 16. Juli

Die Sonne scheint wieder. Wir joggen über Stock und Stein, immer den blauen Punkten, des Küstenwanderwegs nach. Pitschi macht eine grosse Runde, Alfred ein kleine und nimmt in einer wunderschönen Bucht, mit Badesteg, ein schnelles Bad und entdeckt auf dem Rückweg Lenas Bageri. So gibts zum Frühstück frische Brötchen, Croissants und Zimtschnecken.

Leichte Brise aus Süd. Wir dürfen wieder kreuzen.

Jeden Tag ein Abenteuer! Dafür sorgt heute Pitschi. Auf dem Weg zum „WC“ an der Leewante, geht sie bis zum Bauch über Bord. Ein Stück der Fussreeling ist ausgebrochen. Pitschi hat sich aber gut festgehalten und kann sich selbst wieder an Bord ziehen.

Um 3 Uhr machen wir an der NO-Ecke von Raö fest. Phantastischer Ausblick: lautlos gleiten Boote durch die enge Fahrrinne auf Gullholmen zu.

Unser schwedischen Nachbarn am Ankerplatz sind besorgt am Züpfeln. Zu viel Wind und heute Nacht soll er drehen und zunehmen. Also züpfeln auch wir und spannen zusätzliche Leinen.

Pitschi entdeckt, auf dem Weg zum Bisle, Him-& Heidelbeeren und eine wunderschön gestreifte Raupe.... und philosophiert über : „... wieviel Serendipity man doch beim Bisle erfahren kann.“





Samstag, 17. Juli

Die Nacht ist völlig windstill. Der befürchtete Starkwind ist ausgeblieben.

Wir sind heute die Letzten, die ablegen. Grund: eine weitere Partie Backgammon, um jemand für den Abwasch zu bestimmen. Die Menge Geschirr ist heute abschreckend viel.... Wer verloren hat und den Abwasch machen musste, bleibt geheim. VerliererIn, reklamiert Persönlichkeitsschutz!

Die Fahrt verläuft harmonisch und ohne nennenswerte Vorkommnisse. Kurzer Boxenstop in Möllösund zum Tanken, Abfall entsorgen, Glacé, etc. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben......

Auf der Weiterfahrt zum nahen Ankerplatz Smögholmmarna, fahren wir eigentlich laut Karte, mit gebührendem Abstand an einem Stein vorbei.... Pitschi fragt noch, ob wir nicht zu nahe dran sind....da macht es schon „rum-pe-di-rumm“... das war wohl zu knapp vorbei.

Auf Smögholmmarna finden wir dann 2 weitere Beispiele für „serendipity“: 1. Auf der Suche nach Heidelbeeren, finden wir Himbeeren... und 2. findet Pitschi auf der Suche nach weiteren Himbeeren, perfektes timing, das „Toalet“-Häuschen.

Und hier noch der aktuelle Backgammon Spielstand Findus gegen Pettersson: 3 : 7





Sonntag, 19. Juli

Sonne, strahlend blauer Himmel und eine frische Brise aus West. Sollen wir innen-oder aussen herum? Nach einigem hin und her, nehmen wir die äussere Route, das heisst den Weg durch die Schären an der Westküste der Insel Tjörn.

Nur mit Fock machen wir > 5kn. Ab und zu setzen wir den Motor ein, wenn es gegenan geht. Es hat viel Verkehr und einige Passagen sind so schmal, dass man den Engegenkommenden die Hand reichen könnte..... na ja, fast so schmal.

Dann kommt ein offenes Stück. Wir setzen das Gross, und schon geht die Fahrt ab. Die „wilde Hilde“ krängt und gleitet durch die rauhe See und dann machts plötzlich BUMS.... Nein, dieses Mal kein Motorboot und kein Stein ......die Geschirrschublade ist herausgefallen. Sorry Annatina! 2 Teller und 2 Schalen weniger!

Dann flattert die Fock. Der Schäkel am Fockhals ist weg. Als wir wieder in ruhigere Gewässer kommen, nimmt Alfred die Fock runter und, als er genauer hinschaut, sieht er, dass auch ein Sicherungssplint im Bolzen am Vorstag fehlt.... ui, ui, das hätte vielleicht ins Auge gehen können.

Wir wollen das Schicksal heute nicht mehr weiter herausfordern und segeln nur mit Fock weiter.

In Marsstrand zwängen wir uns in eine Lücke und machen einen Boxenstop: WC, Rundblick von der Festung, Einkaufen und 1 Portion Fish & Chips.

Vasholmen ist unser Tagesziel. Ein populärer Ankerplatz, wie es scheint, vorallem für Segelboote. Links und rechts von uns zwängen sich noch 2 Yachten und nehmen die Hilde ins Sandwich.



Und weils halt sooooo fein ist, grillieren wir wieder: Lachs & ein Fischspiess mit Kartoffeln à la Fischhändler.



Montag, 20 Juli

Sonne. Doch dann kommen graue Wolken und bald ist der Himmel grau statt blau.

Letzte Etappe. Wir sausen mit > 5 Knoten und sind schon um 13 Uhr im Stadthafen von Göteborg, Lilla Bommen. Alles voll? Nein, im „Hinterhof“, mit nur 1.5m Wassertiefe, gibts noch genug Platz.

Lilla Bommen liegt mitten in der Stadt. Gerade gegenüber liegt Nordstan, ein grosses Einkaufszentrum und der Anfang der Shoppingmeile Göteborgs.

Was wünscht sich ein Tussi mehr? Also nichts wie los in die Stadt! Während Alfred sich auf die Suche nach einem Buchladen macht, um Karten für die Mälaren zu kaufen, taucht Pitschi in verschiedene Läden auf der Suche nach schicken Sommerschlussverkaufsschnäppchen.

Im Laden für maritimes Zubehör finden wir die passenden Sicherungssplinte und eine Halterung für den Herd, so dass Alfred in Zukunft auch bei Schräglage ohne Probleme Kaffee kochen kann. Dem Verkäufer knurrt der Magen so laut, dass er uns bereitwillig sein ganzes Essverhalten mitteilt. Auch unsere Mägen fangen an zu knurren. Vor lauter Shopping haben wir das Mittagessen ganz vergessen. In Haga, der Altstadt essen wir einen feinen Teller Antipasti (En Deli Haga)

Nach einer ausgiebigen Dusche, es war wirklich wieder mal notwendig, machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Die Wahl fällt aufs Ängla Café und wir werden nicht enttäuscht: es gibt feine Pasta!





Dienstag, 20 Juli

Gut geschlafen, trotz dem Lärm eines Stadthafens.

Frühstück. Die Vorräte gehen langsam zu Ende. Bäckerei? Der freundliche Hafenmeister weiss Rat. Und so geniessen Pettersson & Findus ein letzes Frühstück mit einem feinen Kanelcake.

Dann stechen wir nochmals los zum Einkaufen: Alfred ins Shopping Center in den Supermarket, um die Vorräte wieder aufzufüllen, bei Olson kauft er eine neue Bratpfanne und eine Potatis Press. Pitschi freut sich über ihr neues Kleid – geschenkt, gratis, wegen ein paar kleinen Löchern - Motten oder vielleicht Sabotage der schlechtbezahlten chinesischen Näherin?

Gegen Mittag treffen dann Steffi, Anna, Seli und Clea ein, um Pitschi für den Roadtrip mit dem Büsli abzuholen. Pitschi hat die Hilde nochmal herausgeputzt und neue Geschirrtücher aufgehängt.

Zum Abschied gibt’s einen feinen Picknick mit Räucherfisch und Crevetten. So endet Petterssons und Findus kulinarische Segelreise durch die westschwedischen Schären.

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