2. Hilde segelt wieder!

Mittwoch, 23. Juni




Um 9.30 Uhr heisst es Leinen los. Wir machen noch einen kurzen Boxenstop in Björkö, um zu tanken und noch ein paar Vorräte einzukaufen. Im Tankstellenshop findet Alfred Blinker für die Angel, fachkundige Montage und Ratschläge inklusive.

Der Himmel ist noch bedeckt, doch ab mittag kommt immer mehr die Sonne durch. Wir passieren Marsstrand durch den „Hintereingang“....Wahrlich ein toller Anblick: die Stadt mit weissen Häusern, roten Ziegeldächern und ganz oben eine imposante alte Burg.

Jetzt geht es nicht mehr lange und wir erreichen unser Tagesziel, die Schäre Inre Vannholmen. Eine schöne windgeschützte Bucht. Der Himmel ist wolkenlos und es ist angenehm warm. Jetzt ein Bad! Wenn nur die bösen roten Quallen nicht wären!



Statt zu baden, installieren wir unsern Grill und geniessen ein feines Nachtessen: Fleisch, Würste, Gschwellti und Salat.





Donnerstag, 24. Juni



Während Annatina das Frühstück zubereitet, versucht sich Alfred im Angeln und ist bald kräftig am Fluchen....“Übung macht den Meister“meint Annatina und hilft im Enttüdeln der Angelschnur!



Blauer Himmel, eine leichte achterliche Brise. Segeln vom Feinsten! Wir segeln östlich von Tjörn den Hakefjord hinauf und passieren verschiedene kleine Inselchen mit schnuggeligen bunten Häuschen. Auf Lilla Brattön machen wir einen kurzen Boxenstop um Wasser zu tanken und im Kiosk gibt’s dann noch ein Glace und die Bestätigung, dass Deutschland gegen Ghana gewonnen hat und eine Runde weiter ist.

Wir kreuzen zwischen roten und grünen Tonnen durch das enge Fahrwasser des Skapesunds zum Stigfjord ... die letzten Meilen gegenan müssen wir dann motoren. Wir machen in einer wunderschönen Bucht auf der Insel Halsön fest. Nach einem Bad - ganz vorsichtig und vom Boot aus überwacht, denn leider hat es auch hier Quallen- fahren wir weiter. Heute Nacht ist kräftiger Wind aus SW/W angesagt und dafür ist die Bucht zu wenig geschützt.



Die Bucht auf Kalkerön ist windgeschützt. Daher sind wir auch nicht die Einzigen, die hier Schutz suchen. Alle guten Plätze sind besetzt. Nach einigen Versuchen –eine gute Gelegenheit für Christoph das Ankerwerfen zu üben – klappt’s dann doch. Zur Belohnung gibt’s Kotböller mit Reis ......mmmmmmhh FEIN!





Freitag, 25. Juni



„Nur noch 5 Minuten“, dann ist auch Christoph aufgestanden. Gut gestärkt mit einem reichhaltigen Frühstück segeln wir los. Wie vorhergesagt bläst heute eine frische Brise aus SW. Alfred hat schon mal vorsichtshalber gerefft. Wir, Annatina und Alfred im Duett, kreuzen ein paar Meilen. Als die Fahrrinne doch ziemlich schmal wird, holen wir das Gross ein und segeln nur noch mit Fock und Motor standby.

Als wir dann endlich in Käringön ankommen wartet der Hafenmeister schon auf der Hafenmauer: „The harbour is completely full“ Zum Glück können wir neben einem Motorboot längsseits gehen. Käringönwird seinem Ruf gerecht, die Insel ist eine richtige Schärenidylle. Genau der richtige Ort, für das heutige Mittsommernachtsfest. Annatina windet sich ein Blumenkränzchen. Um 3 Uhr schliessen wir uns dem Umzug an und erleben zum ersten Mal ein richtiges nordisches Mittsommerfest mit Tanz um den efeugeschmückten Johannibaum. Die Melodien erinnern an heimische Kinderlieder vom Johannifest im Steinerkindsgi.



Ein perfekter Tag, der noch perfekter gewesen wäre, wenn die Schweiz gegen Honduras einen Sieg zustande gebracht hätte. Christoph ist frustiert und gar nicht gut auf Hitzfeld und Co. zu sprechen.





Samstag, 26. Juni



Blauer Himmel und eine mässige Brise aus West. Laut Wetterbericht bleibt das Wetter die ganze Woche schön. So können wir es heute locker nehmen.. Ausschlafen, Kaffee und Havreflan in der warmen Morgensonne und einKissen für Steuerfrau/mann kaufen, wir haben schon Schwielen am Hintern.



Die heutige Etappe ist kurz (10 sm) aber spannend. Wir sausen - zeitweise mit > 6 Knoten - den Gullholmensund hoch. Viel Verkehr. Wir hoffen, dass alle nüchtern sind.

In Gullhomen machen wir einen Boxenstop. Gullholmen ist ein hüsches pittoreskes Dorf. Auch hier ist Hochbetrieb. Lange Schlange vor dem Glacéstand.

Mit Sandwich gestärkt setzen wir wieder Segel und segeln weiter nach Norden. Eine knappe Stunde später sind wir an unserm Tagesziel. Der erste Platz ist Fehlanzeige. Reserviert für eine grosse Party. Wir tuckern 1-2 sm weiter bis Skarvesäter. Nach viel Züpfeln und wohlgemeinten Ratschlägen von unserm Nachbarn - er holt sein Dinghi und macht noch eine Heckleine auf der Nachbarinsel an einem Haken fest- liegen wir jetzt sicher und gut geschützt wie in Abrahams Schoss.





Sonntag, 27. Juni



11 sm weiter und wir sind in Smögen, dem in-Ort an der Westküste. Aber noch ist nicht Hauptsaison und wir können uns ein Plätzchen an der Hafenpromenade aussuchen. Hilde bekommt immer wieder Komplimente – trotz Nasenpflaster. Die wird noch eingebildet, mit iheren 46 Jahren!

Dann geht’s zum Fussballspiel. Deutschland gewinnt 4 : 1gegen England. Das ist Spannung pur und ein Genuss – das müssen selbst die „Hop Schwyz – ler“ zugeben.

Vor lauter Fussball ist der Supermarkt gerade am Schliessen, als wir dort ankommen. „Only potatoes...“. Die Kassiererin hat Mitleid und lässt uns nochmal hinein. So ist unser Nachtessen nochmal gerettet: Gschwellti mit Räucherfisch und Salat. Alle sind sich einig es schmeckt wieder mal „mmmmmmmmhhhhh FEIN!“





Montag, 28. Juni



Gestärkt mit einem reichhaltigen Frühstück segeln wir los. Herrliches Wetter. Alle 10 Minuten fragt Annatina: „Bin ich schon braun?“

Kreuzen macht hungrig. Christoph begibt sich in die Kajüte und schmiert mit viel Liebe Brote.

Um 17 Uhr machen wir in Bassholmen fest. Christoph versucht sich, nachdem er sich heute erfolgreich als „Fock-Master“und „Gross-Master“ bewährt hat, auch in der Kunst die Leine am Steg festzumachen und sorgt damit für die Gesundheit der Crew: Lachen soll ja bekanntlich gesund sein.



Quallen? Keine zu sehen. Schnell ein kurzes Bad. Dann ein kleiner Spaziergang zur nahen Jugendherberge. Dort gibts Glacé. Bassholmen hält, was versprochen – wirklich ein sehr idyllisches Plätzchen.

Dann kommt der Catfish (Wels) auf den Grill. Dazu gibt’s, wie immer, Gschwellti und Salat. „Mmmmmhhh FEIN! ....nur Selbstgefangen schmeckt besser!“

Christoph versucht’s und fängt schlussendlich ein kleines Fischlein in Sardinengrösse. Es darf wieder zurück ins Wasser. Das schlechte Gewissen und die Sorge „ob er wohl überlebt?“ beschäftigen ihn noch bis in den Schlaf.





Dienstag, 29. Juni



Blauer Himmel. Früh am morgen macht auch Alfred einen Versuch einen Fisch fürs Nachtessen zu angeln. Aber sie haben noch keinen Appetit.



Dann heisst es „Leinen los zur letzten Etappe!“. Mit Fock und Flautenschieber geht’s zuerst durch die enge Passage von Strömmarna. Diese kann manchmal wegen der Strömung ganz schön heikel sein, aber heute „no problem!“



Dann geht’s mit einer leichten achterlichen Brise den Koljö Fjord hinauf, Kurs Uddevalla.

Der Hafen ist fast leer. Wer will schon nach Uddevalla? Aber der Hafen liegt zentral mitten in der Stadt, mit guten Einkaufsmöglichkeiten und fast stündlichen Bus-und Bahnverbindungen nach Göteborg.

So findet Alfred, ohne langes Suchen, einen neuen Wasserkocher und im nahen ICA Supermarkt finden wir alles, was das Herz begehrt.

Die Crew wünscht sich zum Abschied nochmal „Rökt Fisk“. Statt Dessert schauen wir die 2. Halbzeit Spanien gegen Portugal.

Nach langer Zeit gibt’s wieder mal einen Regenschauer.





Mittwoch, 30 Juni



Annatina & Christoph fahren heute morgen mit dem Bus nach Göteborg. Ab und zu regnet es noch ein paar Tropfen, bis dann, gegen mittag, wieder die Sonne durchkommt. Hafentag: Wäsche Waschen, Blog Aktualisieren, Einkaufen. Serendipity - im Buchladen finde ich 2 Naturhafenführer für die Westküste, sehr praktisch mit Luftbildern. Zu guter letzt, finde ich dann auch noch Patches, um meine Jeans zu flicken.



Andres, ein passionierter schwedischer Segler, gibt mir, bei einem Bierchen, noch ein paar gute Tipps für Natur-und andere Häfen und idyllische Routen für die fahrt nach Norden. Sein Lieblingsplatz ist „Paradise Beach“ auf Hjältön.





Donnerstag, 1. Juli



Als ich heute morgen aufwache, ist es völlig windstill und ruhig. Eine gute Gelegenheit auszuloten, ob der Mast gerade steht. Als Lot hänge ich einen grossen Schraubenschlüssel ans Grossfall. Hängt leicht backbord. Also ziehe ich die Backbordwante nochmal an. Und wo ich schon mal dran bin, auch noch den Vorstag.

Der Wetterbericht meint, dass das schöne Wetter kombiniert mit leichtem S-SW Wind weiterhin anhält.

Mache noch letzte Einkäufe, packe ich zusammen und dann geht’s los. Mein erster Tag als Einhandsegler. Alles klappt gut: Segel setzen, kreuzen, Segel bergen und auch das Anlegen mit Heckanker. Die Hilde wartet geduldig am Felsen, bis sie festgemacht wird.

Der Ankerplatz, Gröta Holme, sieht so aus wie die Schären an der Ostküste. Heidelbeeren hat es auch.

Es ist heiss. Ein kühles Bad wäre schön. Aber leider ist auch hier alles voll mit Quallen. Auf der andern Seite der Bucht hat es einen Sandstrand. Der ist zwar auch nicht quallenfrei aber im flachen Wasser sieht man sie besser.

Ganz allein, wie Robinson auf der Insel, geniesse ich einen einsamen Grillabend mit Chorizo, Gschwellti und Salat.





Freitag, 2. Juli



Ich versuche mich als Jäger (Fischer) und Sammler, bin aber nur im Letzteren erfolgreich und fülle ein Tonijoghurt Glas mit Heidelbeeren.

Es ist heiss und meistens Flaute. Ich dümple, jeden zarten Windhauch nutzend den selben Weg, den ich gestern gekommen bin wieder zurück.

Irgendwann ist totale Flaute. Ich gebe auf und werfe den Flautenschieber an. Nach 2-3 Meilen kommen die ersten Boote der Regatta, die heute in Uddevalla gestartet wurde, entgegen. Wenn die Segeln, muss es wohlWind haben? Also Motor aus und segeln....na ja die Geschwindigkeit ist nicht gerade berauschend: 1.5 – 2.5 Knoten, und die Freude nicht von langer Dauer. Ich muss wieder den Flautenschieber in Betrieb nehmen.

Als dann die Brücke über den Nötesund passiert ist, brist es auf und dann gehts ganz rassig an der Kreuz den Kalvö Fjord hinunter .... ui ui ui ...mit > 6 knt.



Die Pardise Beach kommt mir nicht so pardiesich vor, wie Andres sie geschildert hat. Die guten Plätze sind schon im Schatten und, ob man wohl mit Heckanker an Land kommt, ist auch nicht sicher. Also weiter, 2 sm entfernt liegt Stegelholmen. Eine gute Wahl. Ich mache am Hundpallen, gegenüber Stegelholmen, fest. Das Ankermanöver hätte auch diesesmal fast perfekt geklappt, doch dann war die Ankerleine 1 m zu kurz.... kein Problem, der schwedische Nachbar kommt sofort zur Hilfe.

Quallen? Keine zu sehen. Ab ins Wasser. Das muss das das Paradies sein, ein quallenfreier Ankerplatz!
Na ja, ganz quallenfrei ist’s auch hier nicht, wie ich am nächsten Morgen feststellen muss. Es hat Quallen, wenn auch nicht so viele und eher kleine.
Dafür gibt’s auch hier Heidelbeeren. Wie bei den Quallen „nicht so viele und eher kleine“. Ich sammle ein weiteres Glas voll.

------------------------------------------